Schlaganfallversorgung

Schlaganfall-Zentren – Stroke Units helfen Leben zu retten

In Deutschland gibt es ein Netz von Schlaganfall-Zentren, so genannten Stroke Units. Diese Zentren, die meist neurologischen Kliniken angegliedert sind, haben sich personell und ausstattungstechnisch auf die schnelle und umfassende Behandlung akuter Schlaganfälle spezialisiert. Schlaganfall-Patienten können hier rund um die Uhr behandelt und überwacht werden. Dadurch verbessern sich ihre Überlebenschancen und lassen sich Folgeschäden reduzieren.

Diagnose und Notfallversorgung

In der Notaufnahme einer Klinik mit Stroke Unit ist stets ein Neurologe dienstbereit, der sofort die Diagnostik per Computertomographie, Angiographie und Ultraschall vornehmen kann, um die Ursache des Schlaganfalls festzustellen und die betroffenen Gehirnareale zu identifizieren. Ist ein Gefäßverschluss im Bereich des Gehirns die Schlaganfallursache, wird geprüft, ob die Wiedereröffnung des Gefäßes durch Medikamente (Thrombolyse) oder Kathetereingriff (Thrombektomie) möglich ist. Eine Thrombolyse sollte nicht später als viereinhalb Stunden nach den ersten Schlaganfallsymptomen erfolgen, weil danach das Blutungsrisiko als Komplikation der Thrombolyse-Behandlung erheblich steigt. Bei einer Gehirnblutung als Schlaganfallursache besteht gegebenenfalls die Möglichkeit einer sofortigen neurochirurgischen Notfalloperation.

Überwachung rund um die Uhr

Nach der Notfallversorgung bleiben die Patienten zunächst auf der Stroke Unit. Ihre lebenswichtigen Körperfunktionen wie Atmung, Blutdruck, Sauerstoffsättigung, Körpertemperatur und Blutzuckerspiegel werden rund um die Uhr auf Monitoren in der Stationsleitung überwacht. So kann bei erneuten Krisen sofort gehandelt werden. Bereits während der Monitoring-Phase werden Frühmobilisations-Maßnahmen eingeleitet, um Reparaturvorgänge im geschädigten Gehirn zu fördern. Dazu steht ein Team von Logopädinnen, Ergo- und Physiotherapeuten zur Verfügung. Nach zwei bis sechs Tagen können die Patienten in der Regel von den Monitoring-Betten in normale Krankenzimmer verlegt werden. Sobald wie möglich schließt sich, je nach Gesundheitszustand, eine stationäre, teilstationäre oder ambulante Rehabilitation an.

Im Land Bremen stehen vier Stroke Units zur Verfügung:

Stroke Unit Bremen-Mitte

Klinikum Bremen-Mitte – Neurologische Klinik

Patienten mit akuten Schlaganfallsymptomen aus Bremen-Stadt und den angrenzenden niedersächsischen Gemeinden werden zur Stroke Unit ins Klinikum Bremen-Mitte gebracht. Die Stroke Unit verfügt über 12 Monitoring-Betten; um die Patienten kümmern sich insgesamt 17 Ärzte und rund 35 Pflegekräfte. Mit 1.360 Patienten im Jahr 2020 gehört die Stroke Unit Bremen-Mitte zu den größten in Norddeutschland. Als besonderer Schwerpunkt werden auf der überregionalen Stroke Unit beim akuten Schlaganfall zusätzlich zur Thrombolyse die neuen Rekanalisierungsverfahren (über 300 Lyse-Behandlungen sowie über 200 Thrombektomien). Dabei konnte bei über 95 Prozent der Patienten die Lyse-Therapie innerhalb einer Stunde begonnen werden. 50 Prozent der Schlaganfallpatienten werden innerhalb von drei Stunden nach Auftreten der Symptome in der Stroke Unit Bremen-Mitte aufgenommen und versorgt. Im Bundesdurchschnitt liegt dieser Anteil deutlich darunter.

Die Stroke Unit Bremen arbeitet eng mit den weiteren Abteilungen des Klinikums Bremen-Mitte interdisziplinär zusammen.

Während des Aufenthalts an der Stroke Unit Bremen-Mitte sorgt der Sozialdienst patientenindividuell für die Koordination aller Abläufe, der erforderlichen Frührehabilitations-Maßnahmen sowie der nahtlosen Anschlussbehandlung, z.B. in einer Rehabilitations- oder geriatrischen Klinik. Nach durchschnittlich 5 Tagen können die Patienten bereits die Klinik nach Hause oder in eine Reha-Klinik verlassen, 70 Prozent von ihnen ohne oder mit nur geringen Funktionseinschränkungen.

Stroke Unit Bremen-Nord

Klinikum Bremen-Nord – Klinik für Neurologie 

Patienten und Patientinnen mit Schlaganfallsymptomen aus Bremen-Nord, den nördlich gelegenen Bremer Stadtteilen und den umliegenden niedersächsischen Gemeinden werden seit Oktober 2016 auf der Stroke Unit des Klinikums Bremen-Nord versorgt. Die Stroke Unit bietet 8 Behandlungsplätze an. Sie ist Teil der Klinik für Neurologie mit 33 Betten und ist von der Deutschen Schlaganfallgesellschaft sowie der Europäischen Stroke Organisation als regionale Stroke Unit zertifiziert. Außerdem hat sie von der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin das Ultraschallzertifikat erhalten.

Um die Patienten optimal zu versorgen, stehen im Klinikum Bremen-Nord 7 Fachärzte für Neurologie, teilweise mit Zusatzbezeichnung "Neurologische Intensivmedizin" bereit. Das Team wird ergänzt von 9 Assistenzärzten/-ärztinnen, Ergo- und Physiotherapeuten sowie Logopädinnen. Hier ist u.a. eine FEES-Schluckdiagnostik möglich. Durch die enge Zusammenarbeit mit der Geriatrie mit eigenem neurogeriatrischen Schwerpunkt ist auch die Weiterversorgung der Patienten und Patientinnen optimal gelöst.  

Eine weitere Kooperation besteht im Gefäßzentrum mit der Gefäßchirurgie und der Angiologie im Hause sowie mit der Kardiologie. Ergänzt wird diese Team-Arbeit durch die MRT-Praxis Dr. Henschel (ZEMODI - Zentrum für moderne Diagnostik) im Hause, so dass auch eine sehr rasche neuroradiologische Diagnostik angeboten werden kann.

Stroke Unit Bremen-Ost

Klinikum Bremen-Ost – Klinik für Neurologie

Die Stroke Unit am Klinikum Bremen Ost versorgt rund um die Uhr Patienten und Patientinnen mit Schlaganfallsymptomen. Insgesamt stehen 6 Monitoring-Betten zur Behandlung von Patient/innen mit Schlaganfällen und Hirnblutungen auf einer speziellen Station ("Stroke Unit") zur Verfügung. Die Schlaganfallstation ist Teil der Klinik für Neurologie. In der Klinik wird das gesamte Spektrum neurologischer Erkrankungen untersucht und therapiert. Zur Klinik für Neurologie gehören 76 vollstationre Betten und 8 Plätze in der neurologischen Tagesklinik, zudem Spezialambulanzen (u.a. für Multiple Sklerose und Neuromuskuläre Krankheiten), ein eigenes Institut für Neurophysiologie, ein Schlaflabor, eine Abteilung für Neuropsychologie, eine interdisziplinäre Intensivstation und eine Notaufnahme, in der neurologishe Patienten rund um die Uhr behandelt werden. 

Die Versorgung der neurologischen Patient/innen am KBO wird durch insgesamt 12 Fachärzt/innen für Neurologie mit unterschiedlichen Zusatzqualifikationen (u.a. neurologische Intensivmedizin, spezielle neurologische Ultraschalldiagnostik, FEES-Diagnostik, Geriatrie, Palliativmedizin, Schlafmedizin, fachgebundene genetische Beratung und verkehrsmedizinische Begutachtung) sichergestellt und durch ein Team von 15 Weiterbildungsassistent/innen unterstützt. Ergänzt wird die Abteilung neben dem Institut für Neurophysiologie durch ein neurosonologisches Labor, eine Abteilung für klinische Neuropsychologie, Logopädie, Ergotherapie und Physiotherapie sowie durch ein hauseigenes Labor. Die Abteilung ist von der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie (DGKN) anerkannte Ausbildungsstätte für EEG, EMG/ENG und Evozierte Potenziale. Das Schlaflabor ist von der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) zertifiziert.

Wir beteiligen uns als akademisches Lehrkrankenhaus des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf an der Aus-  und Weiterbildung von Studenten und jungen Ärzten. Unsere Klinik verfügt über die vollständige Weiterbildungsermächtigung des Fachbereichs Neurologie. 

Stroke Unit Bremerhaven

Klinikum Bremerhaven-Reinkenheide – Neurologische Klinik

Patienten mit akuten Schlaganfallsymptomen aus der Stadt Bremerhaven und den angrenzenden niedersächsischen Gemeinden werden zur Stroke Unit ins Klinikum Bremerhaven gebracht. Die von der DSG zertifizierte überregionale Stroke Unit verfügt über 12 Monitoring-Betten; um die Patienten kümmern sich insgesamt 6 Fachärzte, 12 Assistenzärzte sowie 23 Pflegekräfte, außerdem Physio- und Ergotherapeuten und Logopäden.

Mit über 1.100 Patienten im Jahr 2022 besteht auf der Stroke Unit Bremerhaven eine große Kompetenz in der Schlaganfallbehandlung. Über 90 Prozent der Patienten erhalten schon innerhalb der ersten zwei Tage nach der Aufnahme physiotherapeutische, ergotherapeutische, logopädische und mobilisierende Behandlungen. Auch bei der sehr geringen Rate von Lungenentzündungen, die bei Schlaganfallpatienten insbesondere mit Schluckstörungen auftreten, steht Bremerhaven mit 2,7 Prozent im Vergleich zu anderen Stroke Units mit durchschnittlich 6,2 Prozent gut da.

Die Stroke Unit Bremerhaven arbeitet eng mit den weiteren Abteilungen des Klinikums Bremerhaven-Reinkenheide interdisziplinär zusammen, z.B. für Eingriffe an der Halsschlagader sowie für kardiologische Untersuchungen und Behandlungen. Eine unmittalbar anschließende Rehabilitation ist in der Klinik für Akutgeriatrie möglich. Über 75 Prozent der Patienten können mit kleinen oder nur geringen Funktionseinschränkungen direkt nach Hause bzw. in eine weiterführende Rehabilitationsklinik verlegt werden.