Hilfe im Notfall

Wer macht was? – Notfallstrukturen im Land Bremen

Für die bestmögliche Versorgung kranker oder verletzter Notfallpatientinnen und -patienten arbeiten in Bremen und Bremerhaven viele Beteiligte mit unterschiedlichen Aufgaben eng und in eingespielten Abläufen zusammen:

Ärztlicher Bereitschaftsdienst

Die Kassenärztliche Vereinigung Bremen muss die ambulante Notfallversorgung im Land Bremen sicherstellen. Sie betreibt dazu Bereitschaftsdienste in den Abendstunden und am Wochenende im Krankenhaus St. Joseph-Stift, im Klinikum Bremen-Nord und im Klinikum Bremerhaven-Reinkenheide. Ein Kinder und Jugendärztlicher Bereitschaftsdienst wird im Klinikum Bremen-Mitte (abends und am Wochenende), im Klinikum Bremen-Nord (Mittwoch nachmittags und am Wochenende) und im Klinikum Bremerhaven-Reinkenheide (am Wochenende) angeboten.

Leitstellen

Integrierte Leitstellen (ILS) koordinieren die Einsätze von Rettungsdienst, Feuerwehr und Katastrophenschutz. Alle Anrufe unter der Notrufnummer 112 laufen dort auf und werden bearbeitet und ggf. an die Einsatzteams weitergemeldet. Anrufer werden telefonisch unterstützt, was sie tun können, bis der Rettungsdienst eintrifft, z.B. durch Reanimationsmaßnahmen. Aktuell laufende Einsätze werden von der Leitstelle gelenkt, damit die richtigen Kräfte vor Ort sind und eventuell zusätzlich benötigte Hilfe schnell zur Stelle ist.

Rettungsdienste

Die Notfallrettung vor Ort übernehmen die Berufsfeuerwehren und die Rettungsdienste des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), der Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH), des Malteser Hilfsdienstes (MHD) und des Arbeiter Samariter Bundes (ASB), außerdem zum Teil auch private Rettungsdienstunternehmen. Sie beschäftigen Rettungssanitäter, Notfallsanitäter und Notärzte und unterhalten Rettungs- und Notarztwagen, Rettungshubschrauber und weitere Einsatzfahrzeuge, die Feuerwehren insbesondere auch Bergungs- und Löschfahrzeuge. Rettungsfahrzeuge sind mit allen erforderlichen Geräten für eine intensivmedizinische Versorgung ausgestattet. Hierzu zählen z.B. EKG mit Defibrillator und Herzschrittmacher, Beatmungsgerät, Absaugung, des Weiteren Notfallmedikamente und -materialien z.B. für Notgeburten, Verbrennungen oder die Bergung Schwerverletzter. Koordiniert werden die Rettungseinsätze von den Integrierten Leitstellen (ILS, s.o.). Für die Kosten von Rettungseinsätzen kommen die Krankenkassen auf, Patienten müssen einen Eigenanteil von 10 Prozent tragen, maximal aber 10 Euro.

Zentrale Notaufnahmen der Krankenhäuser

Die Krankenhäuser in Bremen und Bremerhaven übernehmen in ihren Zentralen Notaufnahmen (ZNA) die Versorgung von Notfallpatientinnen und -patienten. Rettungswagen und Hubschrauber steuern von ihrem Einsatzort aus die nächstgelegene verfügbare ZNA an. Dort werden Notfallpatienten rund um die Uhr schnellstmöglich untersucht, behandelt und ggf. zur Beobachtung oder Weiterbehandlung stationär aufgenommen. 

In den ZNA arbeiten Ärztinnen und Ärzte verschiedener Fachrichtungen, Assistenzpersonal und Intensivpflegekräfte interdisziplinär zusammen. In der Regel verfügen Ärzte und Pflegekräfte über eine Zusatzqualifikation in Klinischer Akut- und Notfallmedizin bzw. Notfallpflege. Ein oder mehrere Schockräume für die sofortige Versorgung von lebensbedrohlichen Notfällen, etwa nach einem Unfall, Schlaganfall oder Herzinfarkt, stehen zur Verfügung. Diese sind mit allen erforderlichen medizintechnischen Geräten zur Erstversorgung und Lebensrettung ausgestattet.

Mit den Rettungsdiensten koordinieren sich die Krankenhäuser zur Patientenzuweisung über das digitale System IVENA (Interdisziplinärer Versorgungnachweis). Sie melden darüber die aktuelle Auslastung ihrer ZNA. Die Teams der Rettungsfahrzeuge können so jederzeit sehen, welches nahegelegene Krankenhaus welche freien Kapazitäten (Betten, Behandlungsplätze) für unterschiedliche Notfälle (z.B. Schwerverletzte, Herzinfarkt-, Schlaganfall-Patienten) hat und daher angefahren werden kann.

Notaufnahmen stehen außerhalb der Sprechstundenzeiten von Arztpraxen auch Patientinnen und Patienten offen, die akute Hilfe benötigen und von sich aus das Krankenhaus aufsuchen. In der Notaufnahme erfolgt sowohl bei eingelieferten als auch selbstständig ankommenden Patienten zunächst eine medizinische Ersteinschätzung durch medizinisches Fachpersonal, die so genannte Triage (frz.: Auswahl, Sortierung). Das heißt, dass Patienten nicht nach ihrer Ankunftszeit, sondern nach Dringlichkeit behandelt werden. Schwere oder gar lebensbedrohliche Fälle haben immer Vorrang, andere Patienten müssen warten. Dies kann zu erheblichen Wartezeiten in den Notaufnahmen führen. Unter Umständen werden Patientinnen und Patienten bei der Triage auch auf geeignete ambulante Angebote wie haus- oder fachärztliche Behandlung verwiesen, wenn keine besondere Dringlichkeit festgestellt wurde.

Schlaganfall-Zentren (Stroke Units) der Krankenhäuser

Im Land Bremen gibt es vier Krankenhäuser, in denen Schlaganfälle in spezialisierten Zentren fachgerecht behandelt werden können: Die Kliniken Bremen-Mitte, Bremen-Ost, Bremen-Nord und Bremerhaven-Reinkenheide. Stroke Units (engl. für Schlaganfall-Einheiten) haben sich personell und apparativ auf die schnelle und umfassende Behandlung akuter Schlaganfälle spezialisiert. Dazu arbeiten mehrere Fachabteilungen des Krankenhauses interdisziplinär eng zusammen. Ausführliche Informationen im Bremer Krankenhausspiegel: Schlaganfall-Versorgung

Herzinfarkt-Zentren (Chest Pain Units) der Krankenhäuser

Chest Pain Units (engl. für Brustschmerz-Einheiten) sind spezialisierte Notfallstationen in Krankenhäusern zur schnellen Untersuchung und ggf. Behandlung von Patientinnen und Patienten mit unklaren akuten Brustschmerzen. Ziel ist es, lebensbedrohliche Ursachen wie einen Herzinfarkt zu diagnostizieren und sofort eine entsprechende Behandlung wie Herzkatheter-Eingriff oder Bypass-Operation einzuleiten. Chest Pain Units sind meist Teil der Notaufnahme und rund um die Uhr einsatzbereit. Im Land Bremen verfügen das Klinikum Links der Weser und das Klinikum Bremerhaven-Reinkenheide über eine Chest Pain Unit. Weitere Informationen im Bremer Krankenhausspiegel unter Herzinfarkt-Versorgung.

Schwerverletzten-Zentren (Traumazentren) der Krankenhäuser

Menschen mit schweren Verletzungen, etwa nach Unfällen, müssen schnell im Krankenhaus versorgt werden. Um dies sicherzustellen, haben zahlreiche Kliniken mit unfallchirurgischen Abteilungen so genannte Traumazentren eingerichtet und sich regional zu Traumanetzwerken zusammengeschlossen (von altgriechisch „Trauma“ = Wunde). Im Land Bremen gewährleistet das Traumanetzwerk Bremen die schnelle und hochwertige Versorgung von Schwerverletzten.

Im Land Bremen gibt es folgende Traumazentren:

Lokale Traumazentren (Stufe 1): AMEOS Klinikum Am Bürgerpark Bremerhaven, DIAKO Ev. Diakoniekrankenhaus, Krankenhaus St. Joseph-Stift, Rotes Kreuz Krankenhaus

Regionale Traumazentren (Stufe 2): Klinikum Bremen-Nord, Klinikum Bremerhaven-Reinkenheide, Klinikum Links der Weser

Überregionales Traumazentrum (Stufe 3): Klinikum Bremen-Mitte

Weitere Informationen in der Rubrik Versorgung von Schwerverletzten

Kinder-Notaufnahmen

Kinder können grundsätzlich in jedem Krankenhaus mit einer regulären Notaufnahme notfallmäßig versorgt werden. Besonders geeignet dafür sind die Krankenhäuser, die über eine eigene Kinderklinik oder pädiatrische Fachabteilung verfügen. Im Land Bremen sind dies die Kliniken Bremen-Mitte, Bremen-Nord und Bremerhaven-Reinkenheide. Das Klinikum Bremen-Mitte hat zusätzlich zu seiner Zentralen Notaufnahme eine separate Kinder-Notaufnahme im Eltern-Kind-Zentrum Prof. Hess in der Friedrich-Karl-Straße. Hier werden akut kranke Kinder rund um die Uhr nach der Dringlichkeit ihrer Erkrankung oder Verletzung behandelt.